Etwas ganz Besonderes...

... stellt der WERK-Tag unserer Schule dar.
Dieses Konzept zur Sensibilisierung für Kunst und Handwerk ist einzigartig und in unserem Schulprogramm verankert.

Förderung der Kreativität der Kinder

Für die Grundschule Bustedt ist die Förderung der Kreativität der Kinder ein besonderer Schwerpunkt. Die Heranführung an kreatives Tun sehen wir als Teil der Persönlichkeitsbildung der Kinder an.

Kinder verdienen eine Schule, die alle menschlichen Bereiche anspricht und ausbildet: den Kopf, die Hände und das Herz. Die Vielfalt künstlerischer Themen und Techniken ermöglichen eine Erweiterung der musischen Erfahrungswelt, dabei werden Kreativität und Phantasie angeregt und gefördert.

Mit der Förderung der kindlichen Kreativität verbinden wir ein doppeltes Ziel: Wir möchten damit die musischen Fähigkeiten der Kinder ansprechen und zugleich auch die kognitiven Kompetenzen stärken.

Das Ziel, die musischen Fähigkeiten zu entwickeln

Umfassende Ausbildung in den Kernfächern ist selbstverständlich. Kinder haben aber nicht nur ein Recht auf Lesen, Schreiben und Rechnen, sie haben auch ein Recht auf persönliche Kreativität, auf die Welt der Farben, Formen und Klänge. Dieses gehört zu einer umfassenden schulischen Bildung. Die Kinder dringen intensiver in eine solche Welt ein, wenn sie Sensibilität für künstlerische und handwerkliche Gestaltungsprozesse entwickelt haben. Das gelingt besonders gut an einem Lernort, der für die Kinder ein willkommener Lebensraum ist, und in dem sie sich wohl fühlen. Gerade das Fach Kunst bietet eine Fülle von Möglichkeiten, das Lernen und die Erziehung von Kindern zu unterstützen.

Voraussetzung für eine Intensivierung des Kunstunterrichts ist ein individuelles Konzept, welches alle Gegebenheiten einer Schule berücksichtigt, aber auch neue Perspektiven eröffnet. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Michael Freiburger, der den KunstGarten in Enger leitet, entwickelte die Schule in intensiven Diskussionen ein Konzept, das unter dem Motto „Sensibilisierung für Kunst und Handwerk“ steht und das die Schule aufgrund ihrer Möglichkeiten und Erfahrungen ständig weiterentwickelt. So entstand unser WERK-Tag.

Das Ziel, die kognitiven Fähigkeiten zu stärken

Pädagogen wissen: Nicht jedes Kind ist auf die gleiche Art und Weise erreichbar. Wir verknüpfen die WERK-Tage mit den anderen Fächern.
Kreativität erfährt das Kind im Umgang mit musischen Aufgabenstellungen – Kreativität ist aber ebenso wichtig bei kognitiven Fächern. Fragen und Problemstellungen, die dem Kind etwa im Deutsch- oder Mathematikunterricht begegnet sind, erlebt es bei den WERK-Tagen erneut. Es macht die manchmal überraschende Erfahrung, dass das kreative Verlassen eingefahrener Wege, die Freude am spontanen, schöpferischen Erproben neuer Möglichkeiten nicht nur im Schulfach Kunst, sondern auch beispielsweise in der Mathematik erlebt werden kann.
Wenn im Rahmen eines WERK-Tages zum Beispiel geometrische Formenverbunden und zu Bildern werden, sieht das Kind mathematische Themen von einer ganz anderen Seite. Es erfährt am eigenen Leib, dass kreative Lösungen in allen schulischen Bereichen und im Leben überhaupt Erfolge und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Somit wirkt sich der WERK-Tag positiv auch auf das Arbeiten in anderen Fächern aus.
Die Zusammenarbeit fördert zudem die soziale Kompetenz, die Hilfsbereitschaft und das Lernen von- und miteinander.
Der kreative Umgang mit Farben und Werkstoffen beeinflusst dadurch insgesamt positiv die Persönlichkeitsentwicklung.

Wie wir methodisch vorgehen

Unser Anliegen ist es, die Kreativität der Kinder dadurch zu fördern, dass sie in immer wieder neuen Zusammenhängen eigenverantwortlich, aber in Gemeinschaft künstlerisch und handwerklich arbeiten. Dieses Anliegen hat uns zu neuen methodischen Formen geführt:
Der Klassenverband wird für den WERK-Tag aufgelöst; die Kinder arbeiten jahrgangsübergreifend zusammen und erfahren altersgemischtes Lernen.
Statt der gewohnten Schulstunden werden nur Anfangs- und Endzeit festgelegt.
Die Kinder wählen weitgehend frei ihre jeweilige künstlerische und handwerkliche Themenstellung aus.
Die Kinder bewerten nahezu nach jedem WERK-Tag ihr Erleben nach einem strukturierten Verfahren und sie machen Vorschläge für den nächsten WERK-Tag.
Auch alle Eltern werden in bestimmten Abständen befragt.

Erfahrungen mit bereits durchgeführten WERK-Tag

Wir erleben uns als lernende Organisation In Zusammenarbeit mit dem Künstler Michael Freiburger, dem Heimatmuseum Bünde und dem Daniel-Pöppelmann-Museum in Herford fand in Bustedt inzwischen bereits eine Reihe von WERK-Tagen statt, an denen die Kinder im beschriebenen Bedingungsgefüge vielfältige Erfahrungen hinsichtlich Material und Technik sammeln konnten.
Zu Beginn stand eine längere Probephase:
Juni 2004: dreitägiges Projekt – Kennenlernen von Materialien
Januar 2005: Erlernen materialspezifischer Techniken
April 2005: Gestalten zu der Thematik „Musik und Geräusche“
Juni 2005: vertiefender Umgang mit verschiedenen Materialien
Nach dieser Probephase hat die Grundschule Bustedt die Einrichtung des WERK-Tages nun als festen Bestandteil mit in ihr Schulprogramm aufgenommen. Hier ein kleiner Auszug aus den Angeboten der letzten Jahre: Mai 2006: Kunst und Mathematik - Gestalten mit geometrischen Körpern Oktober 2008: Herbst-Gestalten März 2009: Malen wie Picasso am PC

Wegen dieser Verbindlichkeit hatte das Kollegium der Grundschule Bustedt im Mai 2005 eine schulinterne Ganztagsfortbildung zur Erprobung des Lehrplanes für Kunst unter der Leitung von Karin Deppe (theoretischer Teil) und Michael Freiburger (praktischer Teil).

Wie wir einen WERK-Tag planen

Im Vorfeld eines jeden WERK-Tages haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Wünsche hinsichtlich der Thematik und des Arbeitsmaterials zu äußern. Anschließend werden die WERK-Tage von unserem Künstler und den Lehrerinnen thematisiert sowie vor- und nachbereitet. Die Arbeitsgruppe Kunst trifft sich dafür regelmäßig mit Herrn Freiburger. Gemeinsam wird eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Anschließend werden didaktische Vorüberlegungen getroffen:
Welche Ziele sollen erreicht werden?
Mit welchen Materialien und Techniken wollen die Kinder arbeiten?
Für welches Projekt steht welche Kolleginnen zur Verfügung?
Ferner werden Techniken und Arbeitsweisen in der Gruppe besprochen. Daraus ergeben sich Organisationspläne hinsichtlich Materialbeschaffung, Raumverteilung, benötigte Helfer und der Gruppeneinteilung.

Die Gruppeneinteilung ist wichtig. Sie nahm notwendigerweise viel Zeit in Anspruch, da die Kolleginnen darauf achteten, die abgefragten Erst- und Zweitwünsche der Kinder möglichst zu berücksichtigen. Gleichzeitig wirkten die Kolleginnen darauf hin, alle Schüler an verschiedene Techniken heranzuführen. Dieser Ablauf ist den Schülerinnen und Schülern nun bekannt. Neu ab 2007 ist, dass die Schülerinnen und Schüler sich eigenverantwortlich zuordnen. Sie müssen darauf achten, dass sie im Laufe der nächsten WERK-Tage jeweils eine neue Thematik und eine andere Technik erlernen. Dafür haben sie ein PAUL Buch ( Pädagogisches Arbeit- und Lernbuch), in das sie ihren Lernweg dokumentieren und reflektieren. Die selbstständige Zuordnung wird ebenfalls von der Klassenlehrerin festgehalten, um beratend unterstützen zu können.

Wie wir einen WERK-Tag durchführen

Regelmäßig öffnen sich am WERK-Tag alle Klassenräume und es wird jahrgangsübergreifend (Klasse 1 bis 4) in der Zeit zwischen 8:00 und 11.35 Uhr gearbeitet. Dafür werden auch der Schulhof und der Innenhof, der 2006 neu gestaltet wurde, genutzt. Eine Aufräumphase schließt sich an. Die Kinder haben die Gelegenheit, sich zu vorher vereinbarten Zeiten bei allen Arbeitsgruppen umzuschauen und sich so einen Überblick über verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zu verschaffen. Sind sie mit ihrer eigenen Arbeit fertig, besteht die Möglichkeit, sich einer anderen Gruppe anzuschließen und dort zu dem ausgewiesenen Schwerpunkt mit dem jeweiligen Material mit bzw. weiter zu arbeiten. Einzige Ausnahme ist die Verpflegungsgruppe, deren Mitglieder aus organisatorischen Gründen nicht wechseln können: Bei jedem WERK-Tag arbeitet eine Gruppe in der Küche und versorgt die anderen Kinder mit Plätzchen, Kuchen oder Waffeln.

Zum Abschluss präsentieren die Kinder ihre Arbeitsergebnisse in ihrer ursprünglichen Gruppe. Es folgt in jeder Gruppe das obligatorische Blitzlicht, mit dem der WERK-Tag für die Kinder endet.

Wie wir den WERK-Tag nachbesprechen und auswerten

Die Kinder und in bestimmten Abständen auch die Eltern bewerten ihre Meinung zu dem durchgeführten WERK-Tag in einem strukturierten Verfahren und sie machen Vorschläge für den nächsten WERK-Tag. Die Befragungsergebnisse, die in Exceltabellen visualisiert werden, sowie die eigenen Eindrücke der Kolleginnen und unseres Künstlers Michael Freiburger werden von der Arbeitsgruppe und vom Kollegium nachbesprochen.

<

Bewertung des Konzeptes der Kreativitätsförderung

Wir sehen in dem Konzept des WERK-Tages ein in NRW einzigartiges Konzept, das das Profil unserer Schule besonders prägt. Kreativität wird in systematischer und messbarer Weise gefördert, und zwar unter fächerübergreifender Verknüpfung vieler Bereiche schulischen Lebens. Die WERK-Tage beurteilen wir als einen besonderen Erfolg. Das Fach Kunst hat dabei eine Schlüsselrolle inne, da es als Anknüpfungspunkt für die WERK-Tage dient.

Das Konzept hat einen deutlichen und für Grundschulen ungewohnten partizipativen Ansatz. Entgegen mancherlei landläufigen Meinungen wissen wir: Auch Kinder im Grundschulalter sind sehr wohl in der Lage, Inhalte und Methoden des unterrichtlichen Geschehens plausibel zu bewerten und daraus die für sie förderlichen Schlüsse zu ziehen.

Zwar steht die Förderung der Kreativität unserer Kinder im Vordergrund: Der Umgang mit der Kreativität bleibt jedoch nicht ohne wesentliche Auswirkungen auf uns, das Kollegium, sowie auf das Klima in der Schulgemeinschaft insgesamt. Die neuen Ziele des Projekts führen logisch zu neuen Methoden, und die kontinuierlichen Auswertungen führen dazu, dass auch unsere Kreativität angeregt wird: Wir erleben uns als lernende Organisation.

Wie wir die weitere Entwicklung sehen

Auf Grundlage des Lehrplanes Kunst und der dokumentierten Evaluationsergebnisse sind unter Einbeziehung der Fächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Musik flexible Module entstanden, die angelegt als Spiralcurriculum den thematischen Rahmen für die Werktage bilden. Diese werden anschließend unter den Gesichtspunkten Arbeitsverhalten, Sozialverhalten, Kreativität und Selbstständigkeit im Denken und Handeln evaluiert. Wir möchten zukünftig einen noch verstärkteren Blick darauf legen, den Kindern nicht nur die Sicht auf die Dinge über den kreativen Zugang zu ermöglichen, sondern ihnen auch das methodische Handwerkszeug, die unterschiedlichen künstlerischen Techniken, erfahrbar machen.