Die neue Schuleingangsphase an der Grundschule Bustedt

Ein guter Unterricht ist nach unserem Schulprogramm ein Oberziel der Grundschule Bustedt.
Dafür ist ganz wesentlich ein guter Start in die Grundschulzeit.

Wie beginnt bei uns die Grundschulzeit?

An der Grundschule Bustedt lernen die Kinder in den Jahrgängen 1 und 2 nach den Grundsätzen der neuen Schuleingangsphase jahrgangsübergreifend in Lerngruppen. Die Kinder können diese integrierte Schuleingangsphase in einem, in zwei oder in drei Jahren durchlaufen. Offene Unterrichtsformen sind ein grundlegendes Prinzip des Unterrichts.

Was unsere Ziele sind:

Kinder, die schulpflichtig werden, kommen mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Schule. Neben Kindern, die bei der Einschulung schon lesen und schreiben sowie im Zahlenraum bis 20 und darüber hinaus rechnen können, gibt es auch Kinder, die erst dabei sind, dieses zu lernen. Alle schulpflichtigen Kinder eines Jahrgangs werden in die Schule aufgenommen. Es ist das Ziel, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangslagen jedem Kind die ihm mögliche Förderung zuteil werden zu lassen, damit es von Beginn seiner Grundschulzeit an mit Erfolg und mit Freude am Unterricht teilnehmen kann

Wie wir uns vorbereitet haben:

In der Grundschule Bustedt wird seit dem Schuljahr 2005/2006 in der neuen Schuleingangsphase unterrichtet. Vorausgegangen waren intensive Vorbereitungen des Kollegenteams bei der Planung und Konzeption. So besuchte das Kollegenteam Schulen, die schon Erfahrungen gesammelt hatten und es wurden Fragen gestellt wie z.B.: „Was war wichtig für den Erfolg der neuen Schuleingangsphase an Ihrer Schule?“ und „Was haben Sie falsch gemacht?“ und „Was würden Sie heute anders machen?“. Die Kolleginnen der Grundschule Bustedt werteten diese Informationen aus und berücksichtigten sie.


Im Schuljahr 2005/2006 wurden dann die Erstklässler ein Jahr lang auf die Eingangsphase durch zwei Lehrerinnen vorbereitet. Ab dem Schuljahr 2006/2007 haben wir in den Jahrgängen 1 und 2 die Zusammenfassung in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen. Zunächst hatten wir zwei Lerngruppen, seit zwei Jahren sind es drei Lerngruppen mit Gruppenstärken bis zu 22 Kindern.

Damit schauen wir nunmehr auf vier Jahre mit der integrierten Schuleingangsphase zurück.
Wir beurteilen die Ergebnisse als positiv für die Kinder und ihren weiteren Lern- und Lebensweg.

Was lernen die Kinder unserer Beurteilung nach besser?

a) Der Lernprozess in der Kommunikation

Ein zentraler Unterschied gegenüber dem herkömmlichen Schulbeginn ist die von Beginn an erfolgende, nachhaltige Übung in der Kommunikation. Jedes jüngere Kind hat ein älteres Kind als Paten. Das ältere Kind hat fortlaufend die Aufgabe, sich verständlich auszudrücken, die Dinge auf den Punkt zu bringen und sich zu vergewissern, ob es richtig verstanden worden ist. Das erfährt es aus der Rückmeldung des anderen Kindes. Es erfährt zugleich, dass ich die Dinge nur erklären kann, wenn ich sie selbst verstanden habe. Außerdem macht es mir Freude, dass ich mein Wissen weitergeben kann und sehe, dass mein Mitschüler von mir lernt.

Der jüngere Schüler hat jemanden, an den er seine Fragen richten kann und an dessen Verhalten er sich orientiert. Das gibt ihm Sicherheit und das bereitet auch ihm ein Erfolgserlebnis.


Alle Kinder erfahren, wie wichtig es ist, sich ruhig, hilfsbereit, rücksichtsvoll und ergebnisorientiert zu verständigen. Das gilt besonders, weil im außerschulischen Bereich nicht alle Kinder ständig die Möglichkeit haben, diese kommunikative Erfahrung zu machen.

b) Und wie lernen die Kinder lesen, schreiben und rechnen?

Nach der Erfahrung des Kollegenteams lernen die Kinder in der integrierten Schuleingangsphase tendenziell schneller und effektiver als sie es bei einem herkömmlichen Beginn erreichen würden. Die Kolleginnen stützen diese Einschätzung auf die Beobachtung, dass die Differenzierung innerhalb der Lerngruppe dem Kind deutlich mehr Anlass gibt, über den individuellen Tellerrand hinauszuschauen und zu sehen, welche anderen Strategien es für Aufgabenerledigungen oder für Lösungen von Problemen gibt. Die vielfältigen Anregungen führen zur Bereitschaft, auch selber neue Wege zu gehen und zu experimentieren. Die doppelte Möglichkeit, einem anderen Kind etwas zu zeigen, aber auch selbst Anregungen von anderen Kindern aufzunehmen, führt zur Erfahrung, dass eine Leistungsverbesserung immer möglich ist. Die offenen Unterrichtsformen bewirken, dass das Kind sich mehr zutraut. Es nimmt mehr Anregungen auf. Es wagt, mehr und kniffligere Aufgaben zu lösen und es nimmt sich die Zeit, die Aufgabe zu Ende zu führen.

c) Und welche Rolle haben die Lehrerinnen und Lehrer?

Kein Zweifel, die Lehrerinnen in der integrierten Schuleingangsphase haben viel Arbeit. Kein Zweifel auch daran, dass sie sich im Ergebnis dafür verantwortlich fühlen, dass die Kinder das notwendige und jeweils mögliche Wissen erlernen. Allerdings der Weg hierzu hat sich geändert: Die Lehrerinnen regen den Lernprozess unter den Kindern immer neu an, setzen Impulse und helfen dort, wo es nötig ist. Sie stellen Fragen und wirken darauf hin, dass die Kinder die Lösungsprozesse möglichst selber finden.

Kommt mein Kind auch nicht zur kurz?

Auch für die Eltern ändert sich etwas. Eltern haben einen anderen Beginn ihrer eigenen Grundschulzeit in Erinnerung. Damit sie den Weg ihres Kindes begleiten können, laden Schule und Lehrerinnen sie ein, die neuen Abläufe genauer kennen zu lernen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Eltern, die mit den Grundsätzen der Schuleingangsphase vertraut sind, diese als Chance für ihr Kind verstehen:
Eltern sehen,

- dass ihre Kinder die Zusammenfassung in altersgemischten Gruppen bereits aus dem Kindergarten gewohnt sind,
- dass ihre Kinder dann neue Herausforderungen leichter annehmen und umsetzen,
- dass der Weg vom Sehen, Aufnehmen einer Anregung bis zum selbst Tun leichter gelingt, wenn es altersgemischte Gruppen gibt,
- dass der wechselseitige Anreiz, Vorbild zu sein und gut zu arbeiten, besonders für die älteren Kinder hoch ist,
- dass das Unterrichtsgeschehen in altersgemischten Gruppen zum fortlaufenden Mitmachen einlädt,
- dass Kinder ein individuell unterschiedliches Lerntempo respektieren und
- dass im Unterschied zu ihrem eigenen Schulbeginn Kinder in einer altersgemischten Gruppe nicht von vornherein abgestempelt sind als Schüler mit besonders guten oder weniger guten Leistungen.

Kinder, die zu Beginn ihrer Schulzeit bereits viele Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringen, erfahren fortlaufend Anerkennung und Würdigung durch ihre Umgebung. Alle Kinder können alle Fragen stellen und zwar ohne Scheu.



Sind die größeren und die kleineren Schüler eigentlich immer zusammen?

Nein: Der Stundenplan sieht auch festgelegte Stunden vor, in denen die Jahrgangsstufen getrennt unterrichtet werden. Es gibt Aufgaben, die im Jahrgangsverbund wirksamer besprochen und gelöst werden können. Außerdem soll ein schrittweiser Übergang in die Klasse 3 erreicht werden.

Förderkonzept in der neuen Schuleingangsphase

Was hat das Förderkonzept der Grundschule Bustedt mit der Eingangsphase zu tun?


Die Grundschule Bustedt hat ein Förderkonzept entwickelt, demzufolge jedes Kind seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechend gefördert werden soll.

Die neue Schuleingangsphase ist Teil des Förderkonzepts:
- Den wichtigen Übergang vom Kindergarten zur Schule besprechen wir gemeinsam mit Kindergarten, Eltern und Schule.
- In der Eingangsphase beraten wir gemeinsam, welche Kinder z.B. eine Einzelförderung im Lernstudio erfahren.
- Der Förderunterricht wird vorrangig von der Klassenlehrerin erteilt.
- Die Förderzeiten für jedes Kind werden dem Bedarf entsprechend flexibel gestaltet. Zeit und Inhalt werden auf einer Förderkarte festgehalten.

- Für jedes Kind wird ein eigenes Lerntagebuch geführt.
- Dieses Lerntagebuch ist Grundlage für die Übergangskonferenz am Ende des zweiten Jahrgangs.

Meinungen


Was sagen die Kinder?

-
Ich finde es schön mit allen zusammen, weil ich den anderen Kindern helfen kann.

- Ich finde es doof, weil die Kleinen nicht mit der Schere schneiden können.
- Ich finde es mit allen zusammen gut, weil ich das schon gemacht habe und helfen kann.
- Ich finde es mit allen zusammen gut, weil es in der Gruppe leise ist.
- Ich finde das nicht gut, weil die Kleinen nach Hilfe rufen.
- Ich finde es mit den Großen gut, weil ich die fragen kann.
- Ich finde es mit allen zusammen gut, weil wir in der Gruppenarbeit schneller arbeiten.
- Viele Kinder gemischt helfen sich. Das finde ich gut.
- Ich finde die Gruppenarbeit gut mit allen zusammen.

Was sagen die Lehrerinnen?

-
Wir Lehrerinnen sind erstaunt und sehr erfreut, mit welcher Vorbildfunktion die großen Kinder die jüngeren Kinder aufgenommen haben und sie begleiten.

- Wir Lehrerinnen sehen mit Freude, wie ehrgeizig die jüngeren Kinder den älteren nacheifern.
- Wir Lehrerinnen sehen, dass die größeren Kinder eine höhere Leistungsbereitschaft zeigen, wenn sie gemeinsam arbeiten.
- Sie wollen ihre Leistungen zeigen und sie tun mehr.
- Wir Lehrerinnen sehen die enorme Erhöhung der Leistungsbereitschaft durch die Lerninsel.
- Wir Lehrerinnen beobachten, dass die jüngeren Kinder schneller aufnehmen.

Was sagen Eltern?

- Anfangs war ich skeptisch, aber jetzt habe ich gesehen, dass das gut ist.
- Ich wollte erst abwarten und sehen, wie das läuft bevor ich etwas sage. Ich bin zufrieden und freue mich für unser zweites Kind.
- Ich bin nicht sicher, ob mein Kind in der zweiten Klasse zu sehr Helfer sein muss.
- Meinem Sohn hat die Mischung sehr gut getan. Er fühlte sich sehr wohl und weil er so zufrieden war, sind meine Frau und ich es auch.
- Ich glaube, die Kinder sind sehr viel selbstständiger geworden als sonst so.